Lieber Leser, liebe Leserin,

Mrz 2nd, 2015 | By | Category: Allgemein

Clara Wiberg ist aufgeregt. Die junge Schwedin bekommt Besuch zum Essen, den sie noch nie gesehen hat. Sie hat gekocht und den Tisch gedeckt, geschmückt und vorbereitet. Was wie ein „Blind Date“ klingt, ist eine Aktion, die in Schweden großen Zulauf erhalten hat. So groß, dass sogar die „New York Times“ darüber berichtet hat.

Eine schwedische Lehrerin hatte die Idee, Flüchtlinge aus Syrien an schwedische Familien zu vermitteln, die sie zum Essen einladen. Essen muss jeder, hat sie sich gedacht. Warum sollte man nicht auch Einheimische und Einwanderer mit einem Abendessen zum Reden bringen?

Clara Wiberg, ein paar Nachbarn und Rewedah, eine syrische Lehrerin kommen ins Gespräch. Anfangs konnte sie vor Aufregung kaum schlucken, jetzt erzählt sie von ihrer Heimat, nicht weit weg von Mesopotamien, der Wiege der Menschheit: „Die geschriebene Sprache kommt von dort. 5.000 Jahre vor Christus gab es in Mesopotamien schon die ersten Städte!“

Zwei Jahre nachdem sie aus ihrem alten Leben floh, hat Rewedah die Würde der Geschichts- und Geografielehrerin zurück, die sie einmal war.

Wer mit anderen teilt, gewinnt hinzu. Wer andere einlädt und bewirtet, macht ihnen eine Freude und schenkt sich selber fröhliche Gäste, die ihm vielleicht sogar neue Erkenntnisse mit ins Haus bringen. Das gilt erst recht, wenn die Menschen, die man einlädt, fremd sind.

In Clara Wibergs Küche klappert das Geschirr, wird geredet, gelacht, gedankt für diesen schönen Abend. Nach zwei Stunden gehen alle auseinander, beglückt vom eigenen Glück, beglückt vom Glück des anderen und beglückt von der Erkenntnis, dass Wunder nicht mehr vom Himmel fallen. Es ist viel einfacher: Wunder kann man selber machen. Mit einem Lachsauflauf für eine Fremde.

Wir grüßen Sie herzlich,

Ihre Pastoren

 

 

Sylvia und Michael Goltz

Einige Ausschnitte aus diesem Text stammen aus der „Zeit“. Den vollständigen Artikel finden Sie hier:

http://www.zeit.de//2014/53/weihnachten-wunder-fluechtlinge-fussball

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